Frank Thumbach

Ein Gastbeitrag von: Frank Thumbach

Frank Thumbach ist seit mehr als 20 Jahren Berufsmusiker, betreibt die Agentur www.band-fuer-ihr-event.de und ist u.a. Bandleader der Jazzband Noblesse.

Musiker benötigen wie alle Menschen bestimmte Versicherungen für die Absicherung gegen Krankheit und Berufsunfähigkeit, für die Altersvorsorge, für die Gefahren des Berufs und zusätzlich (als Spezialfall) für ihre Instrumente und ihr Equipment.

Grundsätzliches zu den Versicherungen für Musiker

Musiker sind entweder abhängig beschäftigt oder komplett freiberuflich, alternativ aber auch neben einem anderen Beruf nebenberuflich tätig. Das wirkt sich auf die Art ihrer benötigten Versicherungen aus.

 

Im Überblick:

 

  • Angestellte Musiker (vorrangig Orchestermusiker sowie Musiker von Militär- und Polizeikapellen) sind durch die gesetzliche Kranken-, Pflege-, Renten-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung abgesichert.
  • Freiberufler müssen die betreffenden Versicherungen über die KSK (Künstlersozialkasse) abschließen, die aber auch sehr günstige Konditionen gewährt. Höher Verdienende haben auch die Möglichkeit, sich privat zu versichern. Dies muss aber individuell geprüft werden.
  • Nebenberufler, die im Hauptjob als Angestellte ebenso wie der angestellte Musiker abgesichert sind, sollten für ihre Wege zum Auftritt und Probenraum eine gesonderte Unfallversicherung abschließen.

 

Angestellte Musiker erhalten in vielen Fällen eine Zusatzversorgung zur gesetzlichen Rentenversicherung. Diese kommt vorrangig Musikern von DOV-Orchestern zugute. Das sind die in der Deutschen Orchestervereinigung organisierten, staatlich geförderten Kulturorchester. Organisiert wird die Zusatzversorgung von der Versorgungsanstalt Deutsche Kulturorchester.

 

Ausgenommen von dieser Regelung sind nur die Musiker der Rundfunkorchester, für die es eine Zusatzversorgung über die betriebseigene Altersversorgung gibt.

Haftpflichtversicherung für Musiker

Musiker können eine Berufshaftpflicht abschließen, weil es nicht auszuschließen ist, dass sie im Rahmen ihrer Tätigkeit anderen Schaden zufügen. Der freiberuflich tätige, tourende Musiker ist auf fremden Bühnen zugange und kann dort Schäden verursachen. Diese lassen sich auch mit einer Veranstaltungshaftpflichtversicherung abdecken.

 

Der Orchestermusiker kann versehentlich das Instrument eines Kollegen beschädigen, was eine Berufshaftpflicht regulieren würde. Das kommt in der Praxis häufiger vor, als es uns lieb ist.

Wenn Musiker hauptberuflich ihre Konzerte selbst organisieren und diese ausfallen könnten, können sie eine Konzertausfallversicherung abschließen. Hier sind die Klauseln genau zu studieren. Es fragt sich, unter welchen Umständen die Versicherung zahlt.

 

Solche Umstände könnten sein:

 

  • höhere Gewalt wie eine Naturkatastrophe
  • Erkrankung eines Musikers, der nicht ersetzbar ist (Achtung: Nachweis erforderlich!)
  • technischer Schaden, der das Konzert undurchführbar macht (Achtung: Nachweis erforderlich!)

 

Ob sich so eine Konzertausfallversicherung lohnt, ist zu hinterfragen. Die Versicherungsgesellschaft würde auch hinterfragen, welche Einnahmen denn entgangen sind, ob es schon verkaufte Tickets und daher Rückerstattungen gab, wie viele Besucher zu erwarten gewesen wären (sehr schwer zu belegen!), welche Kosten aufgelaufen sind etc. pp.

 

Im zeitigen Jahr 2021 fragt sich jedermann, ob solche Konzertausfallversicherungen, wenn sie denn jemand hatte, für die während der Corona-Lockdowns ausgefallenen Konzerte eingesprungen sind. Diese Schäden fallen ja eigentlich unter „Naturkatastrophe“.

Rechtschutzversicherung für Musiker

Musiker können natürlich in einen Rechtsstreit geraten, und zwar vor allem dann, wenn sie als Band oder Einzelkünstler von Veranstaltern gebucht werden und es dann Unstimmigkeiten mit der Abrechnung gibt. Für solche Fälle kann der Abschluss einer Rechtschutzversicherung sinnvoll sein.

Versicherungen für Instrumente und Equipment

Musikinstrumente und Equipment können fallweise sehr teuer sein. Gleichzeitig sind sie hohen Risiken ausgesetzt. Bei einem Streichinstrument etwa genügt es, dass es dem Musiker beim Üben oder auf der Bühne aus der Hand fällt oder dass über das abgelegte Instrument jemand stolpert.

 

Das sind, wohlgemerkt, die häufigsten Schäden in diesem Bereich, die aber von spezialisierten Musikinstrumentenversicherungen reguliert werden.

 

Bei den Equipments für Bandmusiker sind einige Spezialklauseln zu beachten. So versichern manche Gesellschaften eine E-Gitarre samt elektrischem Zubehör, aber nicht allein das Zubehör. Andere Versicherungen schließen per sogenannter Nachtklausel den Versicherungsschutz zwischen 22.00 und 06.00 Uhr aus, was einer Band nichts nutzt, die in dieser Zeit unterwegs ist. Manche Versicherungsgesellschaften bieten aber auch eine All-Gefahren-Deckung an, die immer zu bevorzugen ist, selbst wenn sie etwas mehr kostet.

 

Angemietetes Musikequipment muss in der Regel gesondert versichert werden. Es stellt sich die Frage, inwieweit Instrumente und Equipment über die Hausratsversicherung geschützt sind.

 

Diese versichert durchaus auch hohe Werte, wenn sie gesondert aufgeführt werden (Streichinstrumente etwa in derselben Art wie Antiquitäten), doch der Versicherungsschutz gilt nicht oder nur begrenzt beim Transport und/oder der Berufsausübung. Daher ist die spezielle Musikinstrumentenversicherung immer vorzuziehen. Das liegt auch daran, dass die Fachleute einer konventionellen Hausratversicherung die speziellen Gefahren für Instrumente nicht kennen und daher unter Umständen eine Regulierung ablehnen könnten.

 

Wenn beispielweise ein Streicher die Geige auf dem Tisch ablegt, dann das Kind diese versehentlich vom Tisch schiebt und ein Schaden von mehreren Tausend Euro entsteht, weil die Stradivari auf den Steg gefallen ist und einen Stimmriss erlitt (der zusätzlich den Wert des Instruments irreversibel erheblich senken kann), könnte der Regulierer der Hausratversicherung auf grobe Fahrlässigkeit verweisen.

 

Die Experten der Musikinstrumentenversicherung kennen solche Fälle und regulieren sie, wie wir an dieser Stelle aus erster Hand versichern dürfen. Dasselbe betrifft Bandequipment, das diversen Gefahren ausgesetzt ist. Unter anderem kann hier zu hohe Luftfeuchtigkeit Kurzschlüsse und damit schwere Schäden verursachen.

Einzelversicherung oder Bandversicherung?

Wer persönlich teures Equipment und teure Instrumente besitzt, sollte sich einzeln versichern. Für Bands mit einem überschaubaren Equipment und Instrumenten in normalen Preisbereichen kann die günstigere Bandversicherung genügen. Sie deckt einen pauschalierten Gesamtwert ab.

 

In den meisten Fällen verlangen die Versicherer keine Einzellisten, weil sie davon ausgehen, dass einzelne Bestandteile des Equipments gelegentlich ausgetauscht werden. Es reicht, wenn die Band einmalig den Wert kalkuliert und sich dann nicht zu niedrig versichert.

 

Besonders hohe Einzelwerte können ruhig genannt werden. Eine Bandversicherung bezieht sich immer auf die Band als Personengesellschaft (GbR), auch wenn einzelne Musiker wechseln. Für den ausgetretenen Musiker erlischt der Versicherungsschutz, für den neu hinzugekommenen tritt er automatisch in Kraft.

Hast du Fragen zu dem Artikel von Frank Thumbach? Kontaktiere mich gerne per E-Mail.

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  • Ricardo Tunnissen
    Online Finanzratgeber
    48145 Münster